Nicht erfundene Erzählungen über den 2. Weltkrieg.
Briefe sowjetischer Kriegsgefangener. Nikolaj DjatschenkoKrieg zu Landeàâòîð: Nikolaj Iwanowitsch Djatschenko Oct 3, 2008, 09:00 Ukraine, Donezk, 14.11. 2005 Sehr geehrte Herrschaften! Ich habe Ihren Brief erhalten und danke Ihnen fuer die Aufmerksamkeit und Achtung. Ich, Nikolaj Iwanowitsch Djatschenko, geboren 1921, wurde am 19. Juni 1941 in die Armee einberufen. Auf den Krieg traf ich an der Grenze zu Polen. Am 29. Juli 1941 kam ich bei der Stadt Minsk in Gefangenschaft und wurde in das polnische Lager Ostroew Mazowiecka gebracht, wo ich mich zwei Monate lang befand. Besondere Erinnerungen an den Aufenthalt in dem Lager sind mir keine geblieben, da es ein Durchgangslager war. Im Oktober 1941 wurde ich nach Deutschland in ein Lager bei Neustadt [1] geschickt, wo ich bei der Eisenbahn an der Station Titisee arbeitete. In dem Lager lebten ungefaehr 50 Kriegsgefangene. Wir lebten in Baracken, und die Verpflegung war im Vergleich zu anderen Lagern, in denen wir uns danach aufhalten mussten, verhaeltnismaessig gut. Ich erinnere mich, dass der aeltere Aufseher bei uns ein Herr Schuster war, 32 Jahre, an einer Hand hatte er keine Finger, und wir nannten ihn den »Fingerlosen«. Er fragte uns, warum wir ihn so nennen, und wir antworteten: »Weil Sie keine Finger haben.« Obwohl wir Kriegsgefangene waren, verhielt er sich gut zu uns. Sein Gehilfe, 27 Jahre alt, an den Familiennamen erinnere ich mich nicht, verhielt sich ebenfalls uns gegenueber nicht schlecht. Ich denke, das war deshalb so, weil wir gut arbeiteten. Manchmal kamen Viehzuechter aus den umliegenden Doerfern zu uns und suchten ein paar Kriegsgefangene auf kuerzere Zeit fuer die Landarbeit aus. Ich erinnere mich, dass die Bauern ziemlich gut mit mir umgingen, sie gaben mir gut zu essen, da ich gut arbeitete. Ich schicke Ihnen ein Foto, das ein deutscher Offizier waehrend meines Aufenthalts in diesem Lager aufgenommen hat - ich bin der Zweite von links in der oberen Reihe.In diesem Lager war ich bis zum Oktober 1943. Wegen einer Flucht aus dem Lager wurde ich als Strafarbeiter ins Konzentrationslager Geilenberg (Nr. 7001 ) [2] geschickt, wo ich mich acht Monate lang befand. Das war ein Lager mit strenger Ordnung. Man verpruegelte uns oft, trieb uns nackt in den Frost hinaus und uebergoss uns mit kaltem Wasser. Als wir Gruben aushoben und dort die Toten hineinwarfen, stiess die Wache mit dem Gewehrkolben die Schwaechsten der Grabenden in die Gruben, und wir mussten sie bei lebendigem Leibe zusammen mit den Toten begraben. N.I. Djatschenko [1] - Arbeitskommando von Stalag VB Villingen. Uebersetzung: Lydia Thiessen © Copyright 2004 Nicht erfundene Erzählungen über den 2. Weltkrieg. |
